Wo ist Mama Mirácoli?

Wie soeben gemeldet, wurde Mama Mirácoli bereits letzten Monat durch eine Spezialeinheit von EuroPol (European Political Correctness Police) festgesetzt. Mama Mirácoli hatte schon seit vielen Jahren zurückgezogen in einem kleinen italienischen Bergdorf namens Stereo ti’Po gelebt. Doch die Sorge, dass Mama Mirácoli zurückkehren könnte und das alte Klischee der Pasta-kochenden italienischen Mama weiter zementiert, war letztendlich zu groß und der präventive Zugriff erfolgte. Bei der anschließenden Razzia im Ort konnten außerdem noch zwei Bertolli-Omas aufgegriffen werden – ein wichtiger Schlag gegen die Stereotypen-Mafia.

Auf Druck der Behörden aus Brüssel hat der hinter der Mirácoli-Marke stehende Lebensmittel-Konzern Mars Inc. bereits angekündigt in Zukunft einen realistischeren Repräsentanten für die moderne italienische Lebensart in Mirácoli-Werbungen zu nutzen. Die Verträge mit Silvio Berlusconi, dem ehemaligem Ministerpräsidenten Italiens, seien bereits unterschrieben und eine neue TV-Werbung wird bereits ab Oktober geschaltet. Der Clip zeigt zwei leichtbekleidete Damen beim Pürieren von Tomaten, die sich dabei bekleckern, woraufhin sich ein lustig-erotischer Ringkampf in Tomatensauce entwickelt. Dann betritt Berlusconi die Szene, beendet mit seinem Lausbuben-Botox-Lächeln den Kampf und streicht gekonnt die Tomatensauce von den Körpern der Frauen in ein Glas – das „Mirácoli“ der Saucenherstellung und das Geheimnis des Geschmacks! Der Clip wartet momentan noch auf die Freigabe durch Europol.

Auch ein anderes berühmtes Werbegesicht desselben Konzerns ist zur Fahndung ausgeschrieben. Der an Klischees aus der „guten alten Südstaaten-Zeit“ erinnernde Uncle Ben steht vor der Zwangsrente. Mars Inc. hat bereits einen modernen Repräsentanten der afro-amerikanischen Community als Ersatz gefunden. Rapper Kanye West wird ab sofort auf den Verpackungen der Reisbeutel prangen, mit dem Untertitel “Rice to the occasion”. Der kontroverse Rapper, der u.a. für Schlagzeilen sorgte, als er seine Kandidatur für die US-Präsidentenwahl ankündigte, gibt sich euphorisch über die neue Aufgabe. Er verspricht eine transzendentale Erfahrung beim Kochen der Reisbeutel und eine Begegnung mit Gott (also ihm selbst) beim Verspeisen.

Schon seit Wochen auf der Flucht befinden sich hingegen der Patros-Opa und Antje aus Holland. In einem gemeinsamen Statement auf Instagramm hatten sie zuvor noch die Regeln von EuroPol als „totalen Käse“ bezeichnet. Sie seien sich bewusst, dass man zu Beginn der Karriere gängige Klischees bedient habe. Jedoch seien beide über die Jahre gereift.

Wo aber befindet sich Mama Mirácoli nun? Die aussortierte Werbe-Ikone wurde auf die „Île de la Cliché“, einer kleinen, zu Frankreich gehörenden Insel, westlich von „La Réunion“ im indischen Ozean ausgeflogen. In der dortigen Stereotypen-Wohnanlage (kurz: Stereo-Anlage), ist sie ihn guter Gesellschaft: berühmte ehemalige Stars der Werbebranche wie der Marlboro-Mann oder „Isch abe gar kein Auto“ -Angelo vertreiben sich dort die Zeit bei Zigaretten und Espresso und spielen in Theateraufführungen ihre größten Erfolge nach.

Zurückkehren werden sie wohl nie, doch ihr Werk ist unvergänglich.

Foto: https://unsplash.com/

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