Weil keiner vor 2020 gewarnt hat: Sammelklage gegen Astrologen

Das haben sie nicht kommen sehen! Vor dem Amtsgericht Heidelberg wurde gestern eine Sammelklage gegen den dort ansässigen Verband der Astrologen eingereicht. Der Vorwurf: Deutsche Astrologen wären ihrer beruflichen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen und hätten niemanden vor dem Katastrophenjahr 2020 gewarnt. Unzählige Kunden hätten daraufhin falsche und kostspielige Entscheidungen getroffen. Der wirtschaftliche und emotionale Schaden sei enorm.

Cordula Grün (67) aus Dortmund, deren Klage wie mehr als 800 weitere hier verhandelt wird, berichtet von ihrem Fall: „Ich habe mir Ende 2019 die Karten legen lassen. Dort hieß es, dass Merkur günstige stehe und dass ich im Frühjahr eine weite Reise unternehmen werde, die mir neue Perspektiven auf Raum und Zeit ermögliche. Daraufhin habe ich eine Kreuzfahrt gebucht – 4 Wochen Quarantäne in einer fensterlosen Kabine waren das Ergebnis!“

Klaus Gebert (68), Jungfrau aus Leipzig, ist ebenfalls ein Betroffener. Eine Astrologin hatte ihm Anfang 2020 ein persönliches Horoskop erstellt. Er erinnert sich: „Da hieß es, unter Einfluss des Merkur würde ich im September eine neue, überraschende Bekanntschaft machen und im Oktober sollte meiner Vitalität neues Leben eingehaucht werden. Im September habe ich mich dann mit Corona infiziert und im Oktober musste ich künstlich beatmet werden!“

Günther Nepper, Sprecher des Astrologen-Verbandes, sieht seine Zunft zu Unrecht auf der Anklagebank: „Solche Wahrsagungen und Horoskope unterliegen einem sehr breiten Interpretations-Rahmen. Wir müssen die Einzelfälle betrachten, gehen aber von Fehldeutungen seitens der Kunden aus. Konkrete Handlungen aus Horoskopen oder Wahrsagungen abzuleiten ist in etwa so schwierig wie sich über Trumps Twitter-Account über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren.“

Aber hatte denn irgendein Astrologe die Corona-Krise auf dem Schirm; hätte die Welt nicht gewarnt werden müssen? Wie konnte das Corona-Virus unter dem ansonsten so zuverlässigen Radar der Astrologen hindurchtauchen?

„Wir hatten leider sehr viele Störungen in der Kommunikation mit den Sternen in letzter Zeit“, so Nepper. „Immer mehr Satelliten, das 5G-Netz und Elon Musk mit seinen explodierenden Raketen. Da kann es schon mal zu schlechterem Empfang kommen.“

Zur Sicherheit wollen die Astrologen für 2021 kleinere Brötchen backen. Man gehe davon aus, so Sprecher Günther Nepper, dass 2021 nicht viel schlimmer als 2020 werden könne. Eine gewagte Aussage!

Sollte der Klage dennoch stattgegeben werden, müssen die Astrologen ihre Berufsbezeichnung von „Wahrsager“ zu „Sachensager“ abändern.

Originalfotos (bearbeitet): Pixabay

Share and Enjoy !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Beiträge