Weil es eh niemand kontrolliert: Bayern führt Corona-Bewegungsraute ein

Seit heute sind in den meisten Bundesländern verschärfte Corona-Regelungen in Kraft, welche letzte Woche zwischen dem Bund und den Länder-Chefs ausgehandelt wurden. Unter anderem die Beschränkung der Bewegungsfreiheit auf einen Radius von 15km in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, hatte für großen Wirbel gesorgt. In bewährter Tradition gibt es wieder etliche Sonderregelungen je Bundesland: einige Länder wie Niedersachen und Baden-Württemberg wollen die 15km-Regel zunächst gar nicht umsetzen, andere im Einzelfall prüfen, wie etwa Nordrhein-Westfalen.

Zweifel an der Umsetzbarkeit dieser Restriktionen der Bewegungsfreiheit kamen u.a. vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Die Kontrolle: schier unmöglich.

Doch verschärfte Regeln sind genau nach dem Geschmack von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der immer alles ein bisschen besser machen muss als der Rest der Republik.

Auch beim Thema Bewegungseinschränkung will er sich nicht die Bierkrone vom Hefeweizen stehlen lassen. Nachdem sich Söder eine Nacht mit einem Abakus in seinem Büro eingeschlossen hatte, verkündete er nun in einer Pressekonferenz den bayerischen Weg: „Anstatt eines Bewegungsradius von 15km, wird in Bayern eine Bewegungsraute zum Zuge kommen. Diese kann weiß oder blau sein und hat die Vorteile, dass sie optisch ansprechender ist und eine kleinere Fläche bietet als ein Kreis. Schaun’s, bei einem Radius von 15km kommt man beim Kreis auf eine Fläche von 707km2, in der man sich noch bewegen darf. Das sind mehr als 2000-mal das Wiesn-Gelände! Für die Bewegungsraute nehmen wir die Diagonalenlängen von 30km und 20km und haben nur eine Fläche von 300km2! Das potenzielle Ansteckungs-Risiko also mehr als halbiert! Und kontrollieren kann es ja eh niemand.“

Sollte München selbst zum Risikogebiet werden, käme eine Zusatzklausel zum Zug: „Für den FC Bayern würden in diesem Fall sogenannte Reiserauten gelten, die zwar erheblich kleiner sind, die man aber überall hin mitnehmen kann.“ So soll der systemrelevante Fußballbetrieb am Laufen gehalten werden.

Söder sieht die Länderregierungen in der Verantwortung: „Wir müssen die Stärke des Föderalismus nutzen. Die vom Bund aufgestellten Regeln sind noch nicht verwirrend genug. Hier müssen die Länder nachjustieren, denn nur wenn die Bürgerinnen und Bürger gar nicht mehr verstehen, was sie dürfen und was sie nicht dürfen, bleiben sie zuhause! Ich fordere nun auch andere Bundesländer auf, sich diesem Thema kreativ zu nähern.“

Ein Ruf, der nicht lange unerhört blieb: Baden-Württemberg will nun doch nachziehen, und zwar mit einer Bewegungs-Beschränkung in Form des Mercedes-Sterns. So will man gleichzeitig ein Zeichen für die gebeutelte Automobil-Industrie setzen. Das Saarland hingegen wünscht sich einen möglichst langen Bewegungs-Strich. „Hauptsache lange genug, damit man jederzeit noch aus dem Saarland rauskommt“, so Ministerpräsident Tobias Hans.

Originalbilder (bearbeitet): 1) Shutterstock 2) Wikimedia/ NordNordWest, Lizenz: GFDL

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