Für Unentschlossene: Wahllokale stellen Spielautomaten zur zufälligen Stimmabgabe bereit

Am Sonntag ist Bundestagswahl, doch trotz penetranter Wahlwerbung und unzähliger TV-Debatten sind immer noch 40% der Wahlberechtigten unentschlossen.

Um einer niedrigen Wahlbeteiligung vorzubeugen, setzt der Bundeswahlleiter nun auf niedrigschwellige Angebote. „Lieber ein Kreuz an der falschen Stelle als gar kein Kreuz. Sonst können wir uns das ganze Theater auch gleich sparen!“, so Georg Thiel in einer Pressekonferenz vom Dienstagabend. Deshalb werden nun erstmals Wahlbüros mit eigens konzipierten Slot-Maschinen ausgestattet. Diese aus dem Glücksspiel bekannten, im Volksmund auch als „einarmiger Bandit“ bezeichneten Automaten, wählen per Zufall eine Partei aus. Der unentschlossene Wähler muss lediglich den seitlich angebrachten Hebel bedienen. Sobald er drei identische Partei-Logos hat, wird dies als seine Zweit-Stimme erfasst und abgegeben.

Wir haben uns in einer Test-Wahlkabine in Bremen umgeschaut. „Ding, ding, ding“ ­– der Automat von Rebecca K. leuchtet und klingelt. „Juhu, dreimal die Grünen!“, freut sich die pensionierte Lehrerin. Ihr Nebensitzer hingegen macht ein langes Gesicht. Er hat den „dritten Weg“ erhalten, eine rechtsradikale Kleinstpartei, die mit ihren „Hängt die Grünen“- Plakaten Schlagzeilen gemacht hatten.

Denn: die Automaten bieten alle zugelassen 47 Parteien an, dank Zufallsgenerator haben alle die gleiche Chance.

Doch ist das keine Verzerrung der komplexen Realität einer Bundestagswahl? Der Bundeswahlleiter widerspricht: „Das Angebot richtet sich nur an unentschlossene Wähler. Die Entscheidung per Spielautomat unterscheidet sich dabei nicht unwesentlich von der Wahlentscheidung vieler Deutscher: ein paar bunte Bilder, lustige Geräusche und am Schluss entscheidet der Zufall.“

Für alle Menschen, die noch selbst ein Kreuz machen wollen, empfehle sich dagegen der „Ene-Mene-Muh-Mat“. Im Gegensatz zum beliebten „Wahl-O-Mat“ wird hier eine Parteiempfehlung über einen komplexen, auf einem Kinderreim basierenden, Algorithmus abgegeben.

Es gibt also keine Ausreden mehr, gehen Sie wählen!

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Bild (bearbeitet): Shutterstock

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