Endlich zeitgemäß: ProSieben bringt “The Voice of Germany’s Next Masked Topmodel”

Das deutsche TV-Programm ist nicht gerade für seine Kreativität bekannt: Die größten Quotenbringer sind lokalisierte Varianten US-amerikanischer Talentshows, die jedes Jahr neu aufgelegt werden.

Immer wieder in der Kritik steht auch „Germany’s Next Topmodel“, da die Botschaft der Show als nicht mehr zeitgemäß betrachtet wird. Zuletzt hatte sich die Sendung sogar Sexismus-Vorwürfe vom Familienministerium eingehandelt, nachdem in einer Folge alle jungen Kandidatinnen nackt über den Laufsteg geschickt worden waren.

Es ist also höchste Zeit für einen Neustart bei den deutschen TV-Shows und ProSieben hat die Zeichen der Zeit erkannt. Mit Elementen anderer beliebter Talent-Shows wurde das bestehende Format überarbeitet und kommt als „The Voice of Germany’s Next Masked Topmodel“ zurück auf die Bildschirme der Nation.

Die neue Show wurde mit einem Paukenschlag bekannt, als „Germany’s Next Topmodel“-Chefin Heidi Klum das Format per Instagram ankündigte. „Wir wollen kein Sklavenmarkt der Eitelkeiten mehr sein“, heißt es dort. Und weiter: „Mit »The Voice of Germany’s Next Masked Topmodel« verabschieden wir uns komplett von Äußerlichkeiten und Sexismus. Wir wollen das intellektuelle Vorzeigeformat der deutschen TV-Landschaft werden und für Girl Empowerment stehen. IQ-Schau statt Fleischbeschau.“

Doch wie funktioniert die Show genau? Im Gegensatz zu früher treten die Kandidatinnen wie beim anderen ProSieben-Erfolgsformat „The Masked Singer“ in ausgefallen Ganzkörper-Kostümen auf die Bühne und sind somit bis zum Finale komplett anonymisiert. Das Aussehen der Kandidatinnen spielt also keine Rolle mehr! Doch damit nicht genug: Damit sich die Jury komplett auf die Inhalte fokussieren kann, statt auf die Performance auf dem Laufsteg, ist die Jury den Kandidatinnen mit dem Rücken zugewandt – genau wie in der ProSieben-Show „The Voice of Germany“. Nur wenn ein Jury-Mitglied von der inhaltlichen Darbietung überzeugt ist, wird der „Brain Button“ gedrückt und der Sitz dreht sich zur Bühne. Die Kandidatin ist dann eine Runde weiter.

Und die Inhalte? Die Kandidatinnen ziehen per Los ein Thema aus dem Bereich der Quantenphysik, und müssen dazu je zehn Minuten referieren. Damit sowohl „Topmodel“- als auch „The Voice“-Fans auf ihre Kosten kommen, muss der Vortrag gesungen werden, während die Kandidatinnen über den Catwalk laufen und sich in Fotoshooting-Posen werfen. Da dies alles in Ganzkörperkostümierung stattfindet, ein echter Knochenjob.

Wir durften einen exklusiven Blick auf die erste Folge werfen, in der es gleich zur Sache geht. Eine Kandidatin im Hähnchen-Kostüm soll darüber referieren, wie Casimir-Kräfte im Vakuum für Schaltprozesse von Flüssigkristallen verantwortlich sind. Während sie noch souverän einen Überblick über die Grundlagenforschung zu dem Thema gibt, hat sich ein Topmodel-Coach neben dem Laufsteg in Stellung gebracht und gibt Kommandos für diverse Posen wie „Show me your sad face!“, „shoulder look“ und „lay the egg“. Prompt verhaspelt sich die Kandidatin bei der kritischen Einordnung der aktuellen Forschungsergebnisse während eines Schulterblicks. Anschließend stolpert sie mit ihren High-Heels fast über den eigenen Hähnchen-Schwanz. Die Vorstellung hat nicht überzeugt – keiner der drei Experten in der Jury hat den „Brain Button“ gedrückt und sich umgedreht. Das Einzige, das die Kandidatin nun noch vor einem Ausscheiden retten kann, ist eine Rose des Professors in der „College Challenge“. Die Gewinnerinnen der Vorrunde fliegen mit Heidi Klum zur nächsten „Location“ zum weltberühmten MIT. Thema: Robotik!

Ein auf den ersten Blick etwas verwirrendes Format, doch ein genialer Schachzug für ProSieben. Durch das Zusammenlegen der drei Formate wird nicht nur den Sexismus-Vorwürfen gegenüber „Germany’s Next Topmodel“ der Wind aus den Segeln genommen. Auch kann der Sender die Budgets der drei Sendung zusammenstreichen, aber alle drei Zielgruppen weiter bedienen.

RTL will bald nachziehen: „Ich bin ein Bauer, wer wird Millionär und holt mich aus dem Love-Dschungel?“ ist bereits für den Sommer in Planung.

Foto (bearbeitet): Shutterstock, Logo: Selbst und Pixabay (Icons)

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