Lockdown im Duisburger Zoo

Nachdem im Juli eine Corona-Meldepflicht für Haustiere eingeführt wurde, war nun ein Zoo in Nordrhein-Westfalen gezwungen, den nächsten Schritt zu gehen: Als erster Tiergarten in Deutschland muss der Duisburger Zoo in den Lockdown. Alle Tiere werden eingesperrt und befinden sich derzeit in Quarantäne.

Angefangen hatte alles mit der Beschwerde einer Besucherin. Die arbeitslose EU-Rentnerin Cordula Scholz (Name von der Redaktion geändert), hörte bei ihrem täglichen Spaziergang durch den Zoo ein Röcheln und Husten aus dem Panda-Gehege. „Ich habe sofort gespürt, dass etwas nicht stimmt und habe daraufhin die Tierpflegerin angesprochen. Diese berichtete mir, dass erst gestern bei zweien der Tiere eine erhöhte Temperatur festgestellt wurde“, erinnert sie sich. Die Besitzerin der RheinlandCard und selbsternannte Hobby-Virologin beschwerte sich beim zuständigen Veterinäramt, umgehende Maßnahmen folgten. Die Fellnasen wurden einem Corona-Test unterzogen, Ergebnis: SARS-CoV-2 positiv!

Seit dem Wochenende befinden sich Ringo und Claire nun hinter Gittern. Ein unbekanntes Gefühl für die zwei Pandas, die erst vor einem Jahr aus dem Partnerzoo aus Wuhan gekommen waren. „Man merkt ihnen die Traurigkeit direkt an“, erzählt Tierpflegerin Mandy H., „auch ihr Paarungstrieb ist enorm zurückgegangen. Sie liegen meist lethargisch im Gehege und kauen lustlos auf Bambus-Stauden rum. Es fällt mir wirklich schwer, die beiden so eingesperrt zu sehen, aber zum Schutze der Besucher sind wir verpflichtet infizierte Tiere wegzusperren.“

Dann der zweite Schock: Bei einem Rüssel-Abstrich im Elefanten-Gehege wurde festgestellt, dass sich das Virus weiter verbreitet hatte. Ein Massentest und der komplette Lockdown waren die Folge. Seit gestern werden alle Tiere durch Gitter oder Plexiglas von den Besuchern getrennt.

Für viele Tiere bedeutet das Eingesperrt-Sein psychischen Stress. Bei den Gottesanbeterinnen kam es bereits zum Eklat: Dort wurde ein Männchen vom einem Weibchen verspeist – ein Opfer übertriebener Hygiene-Regelungen?

Bei den Schafen und Ziegen setzt der Zoo dagegen auf Herdenimmunität. Lediglich die Lamas müssen aufgrund der Spuck-Gefahr ein Face-Shield tragen. Affen dürfen Besucher nicht mehr mit Kot bewerfen – eigentlich der Höhepunkt jeden Zoobesuchs.

Im Aquarium will der Zoo das oftmals durch die Schwarmbildung gegebene Ansteckungs-Risiko bereits im Kein ersticken. So wurde das Wasser pro-aktiv mit 10% Desinfektionsmittel angereichert. Die Fische hätten die Maßnahme schweigend hingenommen, viele schwimmen aber seitdem aus Protest mit dem Bauch nach oben, berichtet Tierpflegerin Mandy H.

Auch für die Zoo-Besucher ändert sich einiges, da die Tiere nur hinter Absperrungen und mit Mindestabstand betrachtet werden können. Diese Umstellung fiel auch Cordula S. am Anfang schwer: „Ich musste mich an diesen Anblick erst gewöhnen. Aber es ist ja zum Schutz aller.“ Inwieweit andere Tiergärten nachziehen werden ist unklar, aber Experten sehen für den Lockdown für Zootiere momentan keine Alternative.

(Mr. Blue/ setihimself)

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Originalfoto: https://pixabay.com/de/ (bearbeitet)

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