Um Nachwuchs-Landwirte zu finden: Ministerium startet „Ährenmann“-Kampagne

Das Familienministerium hatte es vorgemacht: Um mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Pflegebereich zu begeistern, wurde Anfang der Woche die Werbe-Kampagne „Mach Karriere als Mensch“ vorgestellt. Als Teil dieser Initiative wurde auch eine Youtube-Serie namens „Ehrenpflegas“ im Stil populärer Netflix-Komödien produziert – Kostenpunkt: 700.000 Euro.

Basierend auf der von allen Ministerien geteilten Weisheit, dass Image-Kampagnen erfolgsversprechender sind als faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen, folgte nun das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft diesem guten Beispiel. Anlass zum Handeln sah man auch in diesem Resort aufgrund der Nachwuchssorgen, unter denen die Landwirtschaft in Deutschland schon seit vielen Jahren leidet. Oft wird der Beruf des Landwirtes von der Jugend als zu anstrengend und als nicht Instagram-tauglich genug erachtet.

Deshalb hat die zuständige Bundesministerin Julia Klöckner gestern Abend in Berlin die „Ährenmann“-Kampagne vorgestellt. Drei der momentan angesagtesten Rapper unterstützen die Aktion: Kollegah, Capital Bra und Apache 207 sind die Gesichter der Multikanal-Kampagne. Mit frechen Bildern und in typischer Zielgruppensprache werden der Jugend so die Vorzüge und der „Swag“ einer Karriere in der Landwirtschaft vorgestellt. Das erste Werbe-Bild zeigt Rapper Kollegah vor einem Mähdrescher und dem eingängigen Slogan „Bist du Ährenmann, Bro? Ernte jetzt Respekt!“.

Weitere Werbebilder tragen humorvoll-aggressive Slogans wie „Mach dich von meinem Acker, Alter“, „Ich mache Mist und bekomme Cash dafür, Homie!“ sowie „Ich knatter jeden Tag, du Alpaka!“.

Als Teil der Initiative wurde der eigens für diesen Zweck uminterpretierte Song „Traktor“ von Rapper Apache 207 vorgestellt. In Anlehnung an seinen Hit „Roller“ von 2019 heißt es in der neuen Version nun:

Sie machen Fotos, Furchen platzen, aber Apache bleibt gleich (brumm)
Brudi, ich muss los, wenn Traktoren wieder schreien (brumm)
Reden mir vom Hof und von Spatenstechereien (brumm)
Doch sie müssen los, wenn Traktoren wieder schreien (brumm, brumm)

Traktor (Apache 207)

Werden sich die 1,2 Mio. Euro Kosten für die Kampagne langfristig auszahlen? Auch die Frage, wie denn mit „Bros“ und „Ährenmännern“ die weiterhin stark unterrepräsentierten Landwirtinnen angesprochen würden, blieb offen. Immerhin: Dem ersten Feedback in den sozialen Medien nach zu urteilen, scheint es zumindest sehr wahrscheinlich, dass wir in Zukunft mehr Jungbauern in Gucci-Stiefeln und mit tiefergelegten Traktoren sehen werden.

Lesen Sie hier, wie die Grünen gegen Lebensmittel-Verschwendung mobil machen.

Bilder (bearbeitet): 1) Superbass, Lizenz: CC BY-SA 4.0 2) https://pixabay.com

Share and Enjoy !

0Shares
0 0